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33 Prozent mehr Taschengeld sind kein Meilenstein, sondern ein Systemproblem
Die Südtiroler Landesregierung feiert die geplante Erhöhung des sogenannten Taschengeldes für Menschen mit Behinderung um rund 33 Prozent als „Meilenstein“. Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch: Diese Maßnahme bleibt weit hinter einer fairen und gleichberechtigten Bezahlung zurück. Das Team K fordert daher eine grundlegende Reform des Systems der Arbeitsintegration in Werkstätten.
Ab 2027 steigt der monatliche Höchstbetrag in Werkstätten von 410 auf 585 Euro bei 33 Wochenstunden, in Integrationsprojekten von 492 auf 650 Euro. Das entspricht umgerechnet nur rund 4,43 Euro pro Stunde, ein Betrag, der mit echter Erwerbsarbeit nicht vereinbar ist.
Dabei ist klar, dass Südtirol kein Sonderfall ist. Auch in anderen europäischen Staaten gelten Mindestlöhne in Werkstätten oft nicht, weil Beschäftigte dort keinen Arbeitnehmerstatus haben. Genau das ist das Kernproblem. Denn wer nicht als Arbeitnehmer gilt, hat keine vollwertigen Rechte, d.h. keine ausreichende Pensionsabsicherung, keine Gleichstellung und keine echte soziale Absicherung.
„Solange Menschen mit Behinderung in Werkstätten nur ein Taschengeld erhalten, sprechen wir nicht von Arbeit, sondern von Beschäftigung zweiter Klasse. Wer arbeitet, hat Anspruch auf einen Lohn, mit sozialer Absicherung und allen Rechten, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zustehen.“ stellt Alex Ploner klar, der sich bereits mehrfach für Reformen eingesetzt hat.
International wächst der Druck, diese Systeme zu reformieren. Der Trend geht klar in Richtung echter Integration in den Arbeitsmarkt mit fairer Bezahlung, nicht in Sonderstrukturen. Für die Erhöhung sind im Südtiroler Haushalt rund 1,8 Millionen Euro jährlich vorgesehen. Angesichts eines Landeshaushalts von knapp 10 Milliarden Euro zeigt sich jedoch, mehr wäre möglich, wenn politisch gewollt.
„Eine prozentuale Erhöhung eines zu niedrigen Betrages bleibt ein zu niedriger Betrag. Ziel muss es sein, das Taschengeldsystem zu überwinden und echte Löhne mit voller sozialer Absicherung einzuführen. Wenn wir ernsthaft über Inklusion sprechen, dann müssen wir den Begriff von Arbeit neu denken, nicht über Leistungsfähigkeit, sondern über Würde.“, so Alex Ploner abschließend.



