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Bettenschwemme statt Bettenstopp. SVP verliert jede Glaubwürdigkeit
Es sollen also die Gemeinderäte entscheiden, was mit den erworbenen Rechten in den Tourismuszonen zum Verfallstag am 22.September dieses Jahren geschehen soll. Was das heißt, kann sich jeder leicht ausmalen: überall, wo große Namen sich die Rechte gesichert haben, wird gebaut werden, von Bruneck bis Brixen.
Das ist Gesetzgebung Marke Svp. Private werden mit Bürokratie und Kosten überzogen, wenn sie nur ihre Wohnung ausbauen wollen – aber sobald ein Gesetz die Interessen von ein paar wichtigen Firmen und Namen stört, wird es gedehnt, verlängert, de facto ausgesetzt. Nachname und Parteikartl zählt mehr als Rechtssicherheit. Die Partei verliert mit dieser Maßnahme ihre letzte Glaubwürdigkeit, und die Ära Kompatscher das einzig nennenswerte Gesetz seiner Amtszeit. Es gibt über 400 Hektar an ausgewiesenen Tourismuszonen – wie willst der Landeshauptmann den Menschen, vor allem den jungen Leuten die aus Südtirol wegziehen erklären, dass wir keine Baugründe für das WoBi und den Wohnungsmangel finden, aber 400 Hektar für Hotels?
Mit dieser fadenscheinigen Lösung dürften Dutzende neue Hotels und zigtausende Betten in Südtirol gebaut werden, von der Kronplatz GmbH bis zur Athesia. Die Unternehmen verfolgen natürlich ihre betrieblichen Interessen – aber die Politik sollte jene der Bevölkerung verfolgen. Landesrat Walcher spricht von 12.000 Betten, doch das dürfte weit untertrieben sein. Denn dazu gesellen sich weitere 6.000 Betten in Campings, und eine unbekannte Zahl in den zahlreichen Zonen ohne Kontingente in den strukturschwachen Gemeinden und in den Städten – Ortskerne sowieso ausgenommen. Auskunft auf meine Anfrage dazu, noch vom Dezember, wollte der Landesrat mir bis dato keine geben.
Das Team K selbst war dem Bettenstopp gegenüber durchaus kritisch, und hätte ein Bauverbot im Grünen mit gleichzeitiger Begrenzung der täglichen Besucher unserer Hotspots vorgezogen, um benachteiligten Gebieten und kleineren Familienhotels eine Wachstumsmöglichkeit zu lassen – doch der Bettenstopp war ein gangbarer Weg eine Obergrenze einzuführen und den Wildwuchs zu beenden. Die freie Bahn in den Tourismuszonen jedoch ist jetzt die denkbar schlechteste Lösung – denn fast alles spricht gegen weitere Betten in Südtirol, wenn man auch nur ansatzweise die Bevölkerung und die Lebensqualität in Südtirol am Herzen hat. Und auch dem Tourismus selbst würde eine neue Bettenschwemme nicht gut tun. Denn eine Verlängerung der erworbenen Rechte dient vor allem der Spekulation. Für einzelne sinnvolle Projekte gibt es 1.000 Betten im Landeskontingent, und das reicht. In den größten Tourismuszonen, ohne jegliche Bettenkontingente, kann laut maximaler Baudichte neue Kubatur erstellt werden und dann mit Betten gefüllt – auch die Obergrenze von 150 Betten pro Betrieb gilt nicht in den 75 unverbauten Tourismuszonen. Es könnten dort also richtige Bettenburgen entstehen. Und keine kleinen, familiengeführten Hotels, die Südtirols Stärke ausgemacht haben, nein, diese riskieren die Zeche zu zahlen. Denn Angebot und Nachfrage machen den Preis – und mehr Betten heißt mehr Angebot, und wenn die Nachfrage einmal stagniert oder in den Nebensaisonen, wenn die Betten nicht ausgelastet sind, heißt das eines: die großen Hotels fahren mit ihren Preisen aggressiv herunter, und machen den kleinen 3 Sterne Hotels das Überleben schwer. Außerdem braucht es für all diese Betten tausende Leute an Personal – woher sollen die kommen? Die Großen werden sie den Kleinen abwerben. Damit riskiert die volkswirtschaftlich wichtigste Hotelkategorie, jene mit der besten Verteilung der Wertschöpfung im Lande, jene unserer familiengeführten Drei Sterne Betriebe, so richtig an die Wand gefahren zu werden. Die neuen Hotels werden den den Top-Gebieten und den Top-Lagen entstehen, und unsere Hotspots noch weiter überlasten. Und der Verkehr? Wenn all diese Betten gebaut werden, bedeutet das 300-500 tausend Autos mehr auf unseren Straßen. Gute Nacht, Südtirol.



